Berliner michel

Schwarze Holzkiste auf drei Rädern? Fehlanzeige, denn inzwischen ist auch bei Familienrädern für jeden Geschmack etwas dabei. Wir haben ein neues Exemplar im Prenzlauerberg-Retro-Stil getestet, das michel 2.4.

michelmobil aktive radfahren 052016 1aktiv Radfahren 5/2016 – Text: Eric Poscher Fotos: Hersteller, Eric Poscher

 

Kinder abholen, durch den Kiez schlendern, Eis essen oder auf dem Weg nach Hause noch einen Abstecher zum Spielplatz machen, so sieht ein durchschnittlicher Nachmittag eines Michelmobils und seiner NutzerInnen aus. Warum noch durch den Alltag hetzen, wenn das gute Leben so einfach sein kann?

Das Michelmobil „michel 2.4“ ist dieses Jahr gerade neu am Markt angekommen und bereits in den ersten Transportrad-Läden und Läden für Kinderzubehör zu haben. Dem Designer Steffen Mebes, der das Rad in seiner Manufaktur am Rande von Berlin herstellt, ist ein schickes Dreirad im Retro-Stil gelungen. “Made in Germany” ist hier noch ernst zu nehmen, denn auch der Rahmen wird in der Manufaktur selbst geschweisst. Steffen Mebes war mit den angebotenen Transporträdern nicht ganz zufrieden, und hat daher für seine Familie einfach selbst eines entwickelt. Die Aufteilung ist wie vom Kinderfahrradanhänger bekannt: Vorne ein niedriger Einstieg, der den Kindern ein selbständiges Einsteigen ermöglicht, hinten ein Staufach, in dem man Aktentasche, Rucksack und einen Einkauf leicht verstauen kann. Das Michelmobil sieht er bewusst als Familienrad für die Zeit, die man vor allem mit Kindern verbringt und verzichtet daher absichtlich auf Multifunktionalität. Das Michelmobil ist mit seiner Länge von 1,9 m auch möglichst kompakt gehalten und als Ersatz für den Kinderwagen zu sehen.

 

Technik

Das Michelmobil kommt im klassischen Retro- Design mit dünnen Stahlrohren daher, Seitenteile transparent oder aus Sperrholz, die Schutzbleche ebenfalls aus Holz oder aus Alu-Blech. Ausgestattet ist es in der getesteten Version mit einer Nexus 8-Gang-Nabe und einer Shimano Rollenbremse oder in der Einsteigervariante mit einer Nexus 7-Gang-Nabe mit Rücktritt, die aber mit dem Elektroantrieb nicht kompatibel ist. Vorne punktet das Michelmobil mit den großen 90 Millimeter Sturmey-Archer Trommelbremsen, welche sonst zum Beispiel bei Posträdern eingesetzt werden und in der doppelten Ausführung kräftig bremsen. Dabei sind siewartungs- und pflegefrei. Auf einer Seite wird die neue Sturmey-Archer XL SDD Trommelbremse mit Nabendynamo verbaut, die endlich auch am Dreirad mit einseitiger Achsaufhängung eine robuste Lichtanlage ermöglicht, das dürften gerade Eltern an einem Alltagsrad zu schätzen wissen.

 

Fahrgefühle

Das Michelmobil hat eine klassische Drehschemellenkung, wie sie bei zahlreichen Familiendreirädern verbaut wird. Ein Gasdruckdämpfer sorgt für eine ruhige Geradeausfahrt und ermöglicht dennoch das Lenken mit dem Körpergewicht. In engeren Kurven ist es wie bei anderen Modellen dieser Gattung empfohlen, den Oberkörper nach innen zu neigen, während man den Lenker mit den Armen auf die Aussenseite der Kurve drückt. Was so kompliziert klingen mag wie die Anleitung zu einer Yoga-Übung, fühlt sich nach einigen Tagen ganz normal an und erleichtert es, sicher und etwas schwungvoller durch die Kurve zu gleiten. Der Hinterbau des Michelmobils ist trotz der drei Rohre relativ weich, wodurch man am Sattel die seitliche Torsion spüren kann. Das mag zumindest anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein.

 

Varianten und Zubehör

Der getestete Sunstar-Motor mit 24 Volt und 250 Watt Nennleistung bringt mit dem 11-Amperstunden- Akku je nach Unterstützungsstufe, Zuladung und Topographie eine Reichweite von 25 bis 60 Kilometern auf die Strasse. Für den Alltag zwischen Kita, Büro und Zuhause dürfte das sicherlich ausreichen. Wer öfter auf Kopfsteinpflaster mit dem Michelmobil unterwegs sein möchte, könnte in Erwägung ziehen auf Ballonreifen umzurüsten. Allerdings sind die nötigen Größen 20 und 24 Zoll noch nicht in farbigen Varianten verfügbar. 

 

Fazit

Das Michelmobil ist ein hochwertig verarbeitetes Rad, das komplett in Deutschland hergestellt wird. Es sind alle Funktionen vorhanden bzw. als Zubehör erhältlich, die bei einem Familienrad wichtig sind. Das Regenverdeck macht einen soliden Eindruck, funktioniert wie man es vom Kinderwagen kennt und kann leicht geöffnet und geschlossen werden. Selbst über Details wie die Akkutasche hat sich Steffen Mebes Gedanken gemacht. Man merkt dabei, dass der Hersteller das Produkt auch selbst intensiv nutzt. Stilbewusste Eltern können sich mit dem Michelmobil den urbanen Alltag erleichtern und dabei mit dem Elektroantrieb auch ganz entspannt vorankommen.

 

 Preise

 
 michel 2.4 ab 2765,- Euro
 michel 2.4 Elektro ab 4165,- Euro

 Technische Daten (Standardausführung) 

 Rahmen: Stahl 
 Nexus 7-Gang mit Rücktrittbremse 
 Sturmey-Archer Trommelbremsen 90 mm 
 Masse  
 Gewicht  39 kg
 Zuladung  Fahrer 90 kg, Zuladung 80 kg
 Breite 80 cm
 Länge 195 cm

 Zubehör (Preise in Euro)

 Seitenteile Holz („classic”) 105,-
 Holzschutzbleche 70,-
 Nabendynamo-Lichtanlage 120,-

 Nexus 8-Gang m. Freilauf- u.
 Rollenbremse

125,-

 Allwetterverdeck

210,- 

 Sitzpolster

80,- 

 Sportsitzpolster (m. Rückenlehne) je

40,-

Beispiele für Lastenräder