Handwerker auf zwei Rädern

Baden-Württemberg ist das zweite Bundesland, das den Kauf elektrischer Lastenräder für Gewerbetreibende finanziell fördert. Lohnt sich das Strampeln mit Lasten? 

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Von Peter Ilg - www.zeit.de: Den 18. Juli wird Stefan Rickmeyer so schnell nicht vergessen. An jenem Dienstag kam vom baden-württembergischen Verkehrsministerium in Stuttgart eine überaus erfreuliche Nachricht. Die Behörde teilte einem ihrer Kunden mit, dass dessen Antrag auf Förderung von elektrischen Lastenfahrrädern bewilligt sei und das Rad mit 2.000 Euro anteilig finanziert werde. "Die Nachricht hat mich riesig gefreut, weil sie mein Geschäft ankurbelt", sagt Rickmeyer.

Vor zwölf Jahren hat er die Radkutschegegründet, eine Firma, die in Mössingen bei Tübingen E-Bikes und von Beginn an Transporträder baut. "Aber erst seit sechs Jahren läuft das Geschäft mit den elektrischen Lastenrädern", sagt Rickmeyer. Er nennt dafür drei Gründe: erstens die Erlebbarkeit von E-Bikes, die mittlerweile jeder ausprobieren kann; zweitens den gesellschaftlichen Trend hin zur Bewegung, mit ausgelöst von der Smartwatch mit Schrittzähler; drittens den ökologischen Gedanken, dass es mit dem vielen Verkehr in den Innenstädten so nicht weitergehen kann.

Jetzt kommt noch überraschend die finanzielle Förderung von E-Lastenrädern im gewerblichen Einsatz dazu. Die Stuttgarter Landesregierung hat sie am 20. Juni als Regelförderung beschlossen, im Rahmen der Landesinitiative Elektromobilität Baden-Württemberg. Nach einer Einzelfallprüfung war die Förderung in Baden-Württemberg schon seit Ende 2016 möglich. Nun werden die Formalitäten für die Antragstellung geregelt, die Einzelfallprüfung entfällt. Gefördert wird die Hälfte der Gesamtkosten des Transportrads, maximal jedoch 2.000 Euro pro Rad.
Rickmeyers erster Kunde, der das Geld bekommt, ist ein Fensterbauer aus Gomaringen, nicht weit vom Firmensitz der Radkutsche. "Es sind immer mehr Handwerker und Ökobauern, die sich ein elektrisch betriebenes Lastenrad kaufen. Die einen, um schnell in die Innenstädte zu kommen, die anderen, um durchgehend ökologisch zu sein", sagt Rickmeyer. Seine ersten Kunden waren Paketdienste für die letzte Meile. DPD, GLS, Hermes.

Ihr Terrain ist die Innenstadt
Zwei Modelle bietet die Radkutsche an. Das Musketier hat drei Räder und hinten einen Rahmen in der Größe einer normierten Europalette mit 1,20 mal 0,80 Meter. Das Lastenrad wiegt rund 30 Kilogramm, sein zulässiges Gesamtgewicht beträgt 300 Kilogramm. Das Rapid ist zweirädrig, die Last wird auf der Fläche der Hälfte einer Europalette vor dem Radfahrer transportiert. Beide Modelle sind Pedelecs: Sie haben jeweils einen 250 Watt starken Elektromotor, der bis 25 km/h beschleunigt, und sind somit rechtlich Fahrrädern gleichgestellt. "Die Leistung ist sehr gering, wir sind aber an die gesetzlichen Vorgaben gebunden. Leider hat sich der Gesetzgeber für Lastenräder keine eigenen Vorschriften überlegt", sagt Rickmeyer. Damit den Radlern die Last nicht zu schwer wird, baut die Radkutsche Getriebe in ihre Modelle ein.
In den vergangenen sechs Jahren hat Rickmeyer mehr als 1.000 elektrische Lastenfahrräder in Deutschland, der Schweiz und in den Niederlanden verkauft. Insgesamt werden pro Jahr in Deutschland etwa 15.000 Stück abgesetzt, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband, das entspricht einem Anteil der Cargobikes am gesamten E-Bike-Markt von rund 2,5 Prozent.

Ihr Terrain ist die Innenstadt. Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt haben im vergangenen Jahr im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums untersucht, welche Potenziale für eine Fahrradnutzung im Wirtschaftsverkehr bestehen und wie diese gefördert werden können. Die wesentliche Erkenntnis: Lastenräder können in Innenstädten einen beträchtlichen Teil des Wirtschaftsverkehrs leise und umweltschonend abwickeln.
Und das sogar im Talkessel von Stuttgart, der ringsum von Bergen und Hügeln eingeschlossen ist. Dort bietet seit einem Jahr Velocarrier Transportdienste mit etwa einem Dutzend E-Lastenfahrrädern an. "Trotz des Gesamtgewichts von etwa 300 Kilogramm müssen die Radler den Berg hoch zwar strampeln, sich aber nicht sehr anstrengen", sagt Geschäftsführer Raimund Rassillier.

http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/baden-wuerttemberg-elektrische-lastenraeder-gewerbetreibende-foerderung

 

Beispiele für Lastenräder